Im Mai 2014   -    

In diesem Jahr möchte ich mir einen langgehegten Traum erfüllen: Unsere heimischen Orchideen endlich einmal selbst in der freien Natur sehen und fotografieren. Natürlich immer mit der nötigen Vorsicht und gebotenem Respekt gegenüber den filigranen und streng geschützten, wunderschönen Pflanzen. Zum 3.Quartal dieses Jahres plane ich dann einen Kalender mit den Schöheiten.

phoca thumb l Eifel 80D6820 18May2014

Leider ist in diesem Jahr die Natur durch den milden Winter etwas durcheinander geraten. Daher ist es nur recht schwer vorher zu sagen, wann welche Orchideen blühen. Die Eisheiligen haben durch die kühlen Tage zum Glück wieder etwas Ordnung ins Durcheinander gebracht.

Am ersten Mai Wochenende bin ich nach Jena gefahren. In dieser Gegend gibt es viele Ecken mit Kalksandstein oder Keuper. Diese geologischen Begebenheiten, zusammen mit dem recht milden Klima, bieten ideale Standorte für viele Orchideenarten. Diverse Knabenkräuter, verschiedene Ragwurz Arten und Gelber Frauenschuh standen an diesem Wochenende in voller Blüte. 


Am 1. Tag zog ich allein los. Das Wetter war durchwachsen, aber die Sonne schaute immer wieder durch die schnell ziehenden Wolken. 
Voller Erwartung wanderte ich langsam in das mir von einem Fotofreund beschriebene Tal. Zunächst musste ich ein Stück den Talhang hinauf. Danach verlief der Weg relativ gerade am Hang in das Tal hinein. Oberhalb und unterhalb des Weges erstreckten sich Kalkmagerwiesen im Wechsel mit verbuschten Abschnitten. Nachdem ich ca eine viertel Stunde gelaufen war und eine Raupe später, stieß ich auch schon auf die ersten Orchideen. Purpur-Knabenkraut stand in kleinen Guppen am Hang, zusammen mit vereinzelten Helm-/Purpur-Knabenkraut Hybriden. Das Purpur-Knabenkraut war 2013 vom den deutschen Arbeitskreisen heimischer Orchideen (AHO) Orichdee das Jahres gewählt worden. Diese Art wurde gewählt, um insbesondere auf die Gefährdung der Halbtrockenrasen-Gebiete aufmerksam zu machen.


Nur eine Wiese weiter fanden sich weitere, diesmal in großen Guppen stehende, Purpur-Knabenkraut Bestände und noch eine Wiese weiter blühte Helm-Knabenkraut, Dreizäniges-Knabenkraut und auch Bocks-Riemenzungen zeigten schon Ansätze von Knospen. 
Ganz am Ende des Weges wuchsen dann meine persönlichen Highlights: Ragwurze. Anfang Mai blühten der Spinnen- und der Fliegen-Ragwurz. Der Hummel-Ragwurz zeigte erst ein paar Blätter.


phoca thumb l Thu Ro 80D5514 04May2014In Mitteleuropa kommen 6 der weltweit mehr als 200 Ragwurzarten vor. Allen Ragwurzen gemein, ist ihr besonderer Bestäubungsmechanismus. Die Lippe ihrer Blüten ahmt weibliche Insekten unterschiedlicher Arten nach, wie man auch ihren Namen entnehmen kann. Sie vervollständigen diese Sexualtäuschung noch mit für Insektenmännchen unwiederstehlichen Düften und einer aufreizenden Behaarung. Diese Behaarung ist besonders interessant. Durch deren Ausrichtung erkennt das Insektenmännchen, wo bei dem vermeindlichen Weibchen "vorn" und "hinten" ist und richtet danach seine Kopulationsrichtung aus. All das führt dazu, dass die Ragwurzen nur von ganz spezifischen Insekten bestäubt werden können. 

Sie sind ein gutes Beispiel dafür, welch hohe Ansprüche Orchideen an ihren Standort stellen. Es ist daher extrem wichtig, beim Schutz der Orchideen auch den Schutz der Bestäuberinsekten mit einzubeziehen.  

Überhaupt sind unsere heimischen Orchideenarten in ihren Beständen stark gefährdet und nur noch an wenigen Standorten zu finden. Das liegt bei Weiten nicht an den natürlichen Feinden, wie z. B. Raupen und Schnecken, oder widrigen Witterungsverhältnissen wie z.B. später Frost, große Nässe oder längere Trockenphasen. In der Haupsache werden unsere Orchideen durch den schwindenden Lebensraum gefährdet. Geeignete Biotope gibt es immer weniger und die wenigen, werden von uns Menschen oftmals zum Nachteil der Ochideen verändert.
Es ist daher sehr wichtig, dass man, wenn man Orchideen findet, sie an ihrem Standort belässt und sie auf keinen Fall für den heimischen Garten ausgräbt. Mal ganz davon abgesehen, dass sie streng geschützt sind, wird man dort auch nicht lange Freude an ihnen haben. Auf Grund ihrer hohen Standortansprüche, werden sie in der viel zu "fetten" Gartenerde sehr bald jämmerlich eingehen. Lasst die Orchideen an ihrem Standort und erfreut euch dort an ihrer Schönheit! 
Ausserdem ist es wichtig, Abstand von den Pflanzen zu halten. Viele Orchideenarten haben sehr empfindiche und recht weitläufige Rhizome. Tritt man zu dicht an die Pflanzen heran werden diese durch die verdichtung des Bodens verletzt. Auf diese Weise können die oft kleinen Bestände an den einzelnen Standorten vernichtet werden. 

 

Hier sind viele weitere Aufnahmen von den unterschiedlichsten heimischen Orchideenarten zu finden. Im Laufe des Jahres werde ich die Sammlung weiter vervollständigen.